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Zu Schmerzmitteln

Quelle: GEK-Arzneimittel-Report 2007

Ungefähr 5 % der viel verordneten Arzneimittel haben ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Hochrechnungen zu Folge gibt es in Deutschland rund 1,4 Millionen Arzneimittelabhängige und noch einmal ungefähr genau so viele, die mittel- bis hochgradig für eine Arzneimittelabhängigkeit gefährdet sind – das sind jeweils ungefähr genau so viele wie Alkoholabhängige und 4- bis 7-mal so viele wie Abhängige von illegalen Drogen. Allein durch die unsachgemäße oder missbräuchliche Anwendung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine und Benzodiazepin-Rezeptoragonisten sind bei uns schätzungsweise 1 bis 1,1 Millionen Menschen abhängig. Zwei Drittel der Betroffenen sind weiblich. Frauen ab dem 40. Lebensjahr sind besonders häufig betroffen.

Quelle: Drogen- und Suchtbericht Mai 2008; Drogenbeauftragte der Bundesregierung

In Deutschland sind schätzungsweise 1,4–1,5 Millionen Menschen medikamentenabhängig, davon 70 % Frauen. Ein ganz überwiegender Teil der Betroffenen ist von Benzodiazepinen abhängig. Anders als Drogen- oder Alkoholsucht verläuft die Abhängigkeit von Medikamenten unauffällig, diskret und kaum wahrnehmbar im Alltag.

Quelle: Drogen- und Suchtbericht Mai 2008; Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Der Übergang zwischen Gebrauch und Missbrauch ist oft fließend und deshalb besonders schwer zu erkennen. 5 % bis 6 % der häufig verordneten Arzneimittel besitzen ein eigenes Suchtpotenzial. Alle psychotropen Arzneimittel wie z. B. Schlafmittel und Tranquilizer vom Benzodiazepin- und Barbitursäure-Typ, zentral wirkende Schmerzmittel, codeinhaltige Medikamente oder auch Psychostimulanzien sind rezeptpflichtig. Nach Studien werden rund ein Drittel dieser Mittel nicht wegen akuter Probleme, sondern zur Vermeidung von Entzugserscheinungen verordnet.

Quelle: Drogen- und Suchtbericht Mai 2008; Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Aus der Berliner Altersstudie, die selbstständig, aber nicht unbedingt allein lebende Menschen in hohem Alter interdisziplinär und längsschnittlich untersucht, geht nach Angaben des vierten Altenberichts hervor, dass – bezogen auf 70-Jährige und Ältere – 24,6 % mit Psychopharmaka behandelt wurden, davon allein 13,2 % mit Benzodiazepin-Anxiolytika. 90 % nahmen diese als Dauermedikation, d. h. länger als 6 Monate und etwa 50 % täglich ein.

Quelle: Drogen- und Suchtbericht Mai 2008; Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Es besteht ein Zusammenhang zwischen psychischen und psychosomatischen Störungen und Medikamentenmissbrauch bzw. -abhängigkeit. Anders als bei alkoholbezogenen Störungen ist davon auszugehen, dass psychische Störungen dem Medikamentenmissbrauch häufiger vorausgehen, als dass diese sich in Folge des Substanzmissbrauchs entwickeln. Die volkswirtschaftlichen Folgekosten der Medikamentenabhängigkeit werden derzeit auf ca. 14 Milliarden Euro geschätzt (Extrapolierung der Bundesärztekammer).

Quelle: Bundesärztekammer: Medikamente – schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit - Leitfaden für die ärztliche Praxis

Bei häufiger Einnahme von Analgetika – d.h. an mehr als der Hälfte aller Tage eines Monats – kann es schon nach wenigen Wochen, meistens aber erst nach Jahren zu einem medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz kommen (Dauer bis zum Auftreten bei frei verkäuflichen Schmerzmitteln im Mittel 4,7 Jahre, bei Triptanen 1,7 Jahre). Hatte man ursprünglich angenommen, dass nur ergotaminhaltige Präparate zum Dauerkopfschmerz führten, so hat sich inzwischen herausgestellt, dass alle Medikamente zur Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz hervorrufen können. Zwischen 1 und 2% der Bevölkerung sind davon betroffen.

Quelle: Bundesärztekammer: Medikamente – schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit - Leitfaden für die ärztliche Praxis

Bei chronischer Einnahme von Schmerzmitteln entsteht eine Gewöhnung in der Form, dass Entzugskopfschmerzen beim Nachlassen der Medikamentenwirkung auftreten. Diese werden dann häufig ihrerseits wieder mit dem Medikament bekämpft, womit eine Missbrauchsspirale in Gang gesetzt wird.