Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht
Die DBDD – Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht ist der nationale Knotenpunkt Deutschlands im europäischen REITOX‑Netzwerk der EU‑Drogenagentur (EUDA, früher EMCDDA). Sie sammelt, analysiert und bewertet alle wichtigen Daten zur Drogensituation in Deutschland.
Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD)
Aufgaben der DBDD
1) Nationale Datensammlung & Monitoring
- Erhebung und Auswertung von Daten zu Konsum, Prävention, Behandlung, Schäden und Märkten
- Zusammenarbeit mit BZgA, RKI, BKA, Statistischem Bundesamt, Forschungseinrichtungen und Fachstellen
- Kontinuierliches Monitoring der Drogensituation in Deutschland
2) Erstellung des REITOX‑Berichts
- Jährlicher Deutschlandbericht an die EU‑Drogenagentur
- Standardisierte, wissenschaftliche Darstellung der nationalen Drogensituation
- Grundlage für den Europäischen Drogenbericht
3) Früherkennung neuer Trends
- Beobachtung neuer psychoaktiver Substanzen (NPS)
- Analyse von Konsummustern, Risiken und gesundheitlichen Entwicklungen
- Meldung relevanter Trends an europäische Frühwarnsysteme
4) Fachliche Beratung & Wissenstransfer
- Bereitstellung von Daten und Fakten für Politik, Behörden, Wissenschaft und Öffentlichkeit
- Unterstützung einer evidenzbasierten Drogen‑ und Suchtpolitik
- Veröffentlichung von Kurzberichten, Analysen und Hintergrundpapieren
Berichte über die Drogensituation in Deutschland
Die REITOX-Jahresberichte zur Situation illegaler Drogen in Deutschland, veröffentlicht von der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD), bieten einen umfassenden Überblick über die Entwicklungen im Bereich illegaler Drogen in Deutschland, einschließlich Hintergrundinformationen und umfangreichem Zahlenmaterial. Die Berichte fassen aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Prävention, Beratung, Behandlung, Schadensminderung und Angebotsbekämpfung zusammen. Zudem werden Drogenkonsum und Behandlungsmöglichkeiten im Strafvollzug thematisiert.
Die einzelnen Themen werden in Form von Workbooks veröffentlicht. Um internationale Vergleiche zu erleichtern, werden diese in einer europaweit einheitlichen Struktur dargestellt.
Bericht 2025 des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EUDA (Datenjahr 2024/2025).
Bericht 2025 des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EUDA (Datenjahr 2024/2025). Deutschland, Workbook Drogen. | Zenodo
Der Bericht 2025 zeigt ein insgesamt stabiles, aber in einigen Bereichen besorgniserregendes Bild der Drogensituation in Deutschland. Die DBDD fasst Entwicklungen entlang der gesamten Interventionskette zusammen – Prävention, Beratung, Behandlung, Schadensminderung, Strafvollzug und Angebotsbekämpfung – und ordnet sie in die europaweit einheitliche REITOX‑Struktur ein.
Zentrale Punkte in Kürze
- Konsumtrends: Weiterhin hohe Relevanz von Cannabis; Stagnation bzw. leichter Anstieg bei Kokain und Stimulanzien; zunehmende Diversifizierung synthetischer Substanzen.
- Gesundheit & Behandlung: Stabiler Bedarf an Suchthilfe; wachsende Bedeutung niedrigschwelliger Angebote; Opioidabhängigkeit bleibt ein Kernbereich der Versorgung.
- Schadensminderung: Naloxon‑Programme, Drogenkonsumräume und mobile Angebote gewinnen an Bedeutung; Fokus auf Überdosierungsprävention und Infektionsschutz.
- Prävention: Breite Aktivitäten in Schulen, Kommunen und digitalen Räumen; zunehmende Bedeutung evidenzbasierter Programme und zielgruppenspezifischer Ansätze.
- Strafvollzug: Drogenkonsum und Behandlungsangebote im Vollzug bleiben ein relevanter Schwerpunkt; Ausbau substituierender und psychosozialer Maßnahmen.
- Angebotsbekämpfung: Polizei und Zoll berichten über stabile bis steigende Sicherstellungen, insbesondere bei Kokain und synthetischen Drogen; Online‑Handel bleibt herausfordernd.
Bericht 2024 des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EUDA (Datenjahr 2023/2024).
Kernbotschaften des Berichts
1) Allgemeine Konsumlage
- Cannabis bleibt mit großem Abstand die wichtigste illegale Droge. 8,8 % der Erwachsenen und 6,7 % der Jugendlichen konsumierten im letzten Jahr.
- Andere Substanzen bleiben selten, meist <1 % 12‑Monats‑Prävalenz (Ecstasy, Amphetamine, Kokain, LSD).
- Männer konsumieren deutlich häufiger als Frauen – über alle Substanzen hinweg.
2) Problematischer Konsum
- 2,9 % der Erwachsenen zeigen problematischen Konsum mindestens einer illegalen Droge (SDS‑Kriterium).
- Cannabis‑Probleme dominieren: 2,5 % der Erwachsenen, 5,7 % der Jugendlichen mit 12‑Monats‑Konsum.
- Kokain & Amphetamine: je 0,4 % problematischer Konsum.
3) Schüler:innen
- Cannabis dominiert klar – je nach Region 12‑Monats‑Prävalenzen zwischen 11–22 %.
- Stimulanzien bei Schüler:innen bleiben niedrig (meist 1–3 %).
- Erstkonsumalter steigt leicht, Konsumhäufigkeit sinkt in mehreren Regionen.
4) Trends
- Langfristiger Anstieg des Cannabiskonsums seit den 1990ern, besonders bei Erwachsenen.
- Nicht‑Cannabis‑Drogen:
- Jugendliche: seit Jahren stabil bei ca. 1 %.
- Erwachsene: langsamer Anstieg.
- Kokain/Crack: deutlicher Anstieg seit 2015, besonders in Berlin.
5) Regionale Unterschiede
- Berlin ist Spitzenreiter bei fast allen illegalen Substanzen (Cannabis, Kokain, Ecstasy).
- Bundesländer variieren stark: Cannabis 12‑Monats‑Prävalenz zwischen 6,2 % (Sachsen) und 16,7 % (Berlin).
6) Spezielle Gruppen & Szenen
- Offene Drogenszenen:
- Crack extrem verbreitet (bis 89 % 12‑Monats‑Prävalenz).
- Cannabis ebenfalls sehr hoch (30‑Tage‑Prävalenz 67 %).
- NEWS‑Projekt:
- Cannabis nach Alkohol am häufigsten (69 %).
- HHC (halbsynthetisch) überraschend relevant (17,5 %).
7) Neue psychoaktive Substanzen (NPS)
- Cathinone: leicht zunehmende Bedeutung in Szenen.
- HHC: erstmals systematisch erfasst; besonders bei Jugendlichen und im Club‑Milieu verbreitet.
8) Abwasseranalysen
- MDMA & Kokain steigen deutlich in allen untersuchten Städten.
- Methamphetamin: besonders hohe Werte in ostdeutschen Städten.
Bericht 2023 des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EUDA (Datenjahr 2023 / 2024)
Kernbotschaften
1. Nationale Strategie: Integrativer Ansatz
Deutschland verfolgt eine ganzheitliche Suchtpolitik, die legale und illegale Substanzen gemeinsam betrachtet. Die zentrale Grundlage bleibt die Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik (2012) – ohne Laufzeitbegrenzung. Sie basiert auf vier Säulen: Prävention, Beratung/Behandlung, Schadensreduzierung, Repression.
2. Prävention als politischer Schwerpunkt
Prävention wird als zentrale gesundheitspolitische Aufgabe definiert – verstärkt durch das Präventionsgesetz (2015). Fokus auf:
- riskanten Konsum,
- neue Suchtformen (NPS, Online‑Glücksspiel, Mediensucht),
- demografische Veränderungen.
3. Föderale Struktur erschwert Steuerung & Evaluation
Die Zuständigkeiten sind zwischen Bund, Ländern und Kommunen verteilt. → Keine Gesamtevaluation der nationalen Strategie; nur Einzelprojekte werden regelmäßig evaluiert. → Große regionale Unterschiede bei Leitlinien, Programmen und Ressourcen.
4. Öffentliche Ausgaben: Datenlage weiterhin schwierig
Die Kosten illegaler Drogen lassen sich nur grob schätzen. Letzte umfassende Schätzung (2006): 5,2–6,1 Mrd. €. Eine Aktualisierung fehlt – u. a. wegen fehlender Differenzierung zwischen legalen/illegalen Substanzen im Versorgungssystem.
5. Neue Entwicklungen 2022/2023
- Cannabisgesetzgebung: Einführung kontrollierter Abgabe an Erwachsene geplant (Zwei‑Säulen‑Modell).
- Drug Checking: Gesetz 2023 ermöglicht Modellvorhaben der Länder.
- Bundesgeförderte Projekte u. a. zu Methamphetamin, Naloxon‑Take‑Home, Crack‑Handlungsleitlinien, Cannabisprävention bei Minderjährigen, digitaler Frühintervention.
- Monitoring: Ausbau von ESA, NEWS, DSHS.
Frühere REITOX Berichte
- Situation illegaler Drogen in Deutschland, Kurzbericht, 2018
https://www.dbdd.de/fileadmin/user_upload_dbdd/05_Publikationen/PDFs/REITOX_BERICHT_2018/2018_Kurzbericht_illegaleDrogen.pdf
- Situation illegaler Drogen in Deutschland, Reitox Kurzbericht, 2017
https://www.dbdd.de/fileadmin/user_upload_dbdd/05_Publikationen/PDFs/REITOX_BERICHT_2017/Kurzbericht_illegale_Drogen_Deutschland_2016_2017.pdf
- Neue Entwicklungen und Trends in Deutschland, Reitox Report 2015
https://www.dbdd.de/fileadmin/user_upload_dbdd/05_Publikationen/PDFs/bersicht_reitox_bericht.pdf
- Neue Entwicklungen und Trends in Deutschland, Reitox Report 2014
https://www.dbdd.de/fileadmin/user_upload_dbdd/05_Publikationen/PDFs/reitox_report_2014_germany_de.pdf
- Neue Entwicklungen und Trends in Deutschland, Reitox Report 2013
https://www.dbdd.de/fileadmin/user_upload_dbdd/05_Publikationen/PDFs/reitox_report_2013_germany_dt.pdf
- Neue Entwicklungen und Trends in Deutschland, Reitox Report 2012
https://www.dbdd.de/fileadmin/user_upload_dbdd/05_Publikationen/PDFs/reitox_report_2012_dt.pdf
- Neue Entwicklungen und Trends in Deutschland, Reitox Report 2011
https://www.dbdd.de/fileadmin/user_upload_dbdd/05_Publikationen/PDFs/reitox_report_2011_dt.pdf
- Neue Entwicklungen und Trends in Deutschland, Reitox Report 2010
https://www.dbdd.de/fileadmin/user_upload_dbdd/05_Publikationen/PDFs/germany_reitox_report_2010_